By Lars Schmitt

Eine Untersuchung über Habitus-Struktur-Konflikte im Studium durchzuführen und zu dokumentieren, ist ein konfliktreicher Prozess und dies nicht nur, weil das Verfassen einer solchen Arbeit generell einige Entbehrungen mit sich bringt. Vielmehr werden in der Auseinandersetzung mit dem Thema sowohl eigene Erfahrungen mit dem Studium in unterschiedlichen Fachkulturen aktualisiert als auch die persönliche Zukunft im akademischen Feld nicht zuletzt unter dem Aspekt der Passung kultureller Muster zum Gegenstand gemacht. Dieser st- lenweise konfliktträchtigen Seite stehen optimistic Aspekte gegenüber bzw. sind untrennbar mit ihr verbunden. Zum einen ist dadurch eine artwork Hermeneutik in Gang gesetzt, in der die eigenen Erfahrungen und die wissenschaftlichen - obachtungen sich wechselseitig beeinflussen und so ein tieferes Verständnis von Habitus-Struktur-Konflikten möglich wird, used to be in erster Linie die wissenscha- liche Explikation der Thematik befruchtet, in zweiter Linie aber auch den ei- nen Habitus erweitert und neue Anknüpfungsmöglichkeiten eröffnet. Zum an- ren darf ich selbst die Erfahrung machen, dass das Erleben von und der Umgang mit Habitus-Struktur-Konflikten – dies zeigt auch die Untersuchung – sehr stark durch den Kontakt zu anderen Menschen gerahmt sind. Deshalb möchte ich mich ganz herzlich bei meinen Betreuern Prof. Dr. Mathias Bös und Prof. Dr. Thorsten Bonacker für ihren freundschaftlichen Umgang und fachlichen Rat bedanken sowie bei den anderen Kolleginnen und Kollegen im Zentrum für Konfliktforschung und Institut für Soziologie der Universität Marburg. Eine wichtige Unterstützung, die in mehr als einem Bourdieu kundigen ‚Korrektiv’ bestand, habe ich über viele Jahre durch Prof. Dr. Beate Krais erhalten.

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Der hier quasi als Leerstelle (für auf soziale Strukturen verweisende Symbole) verwandte Strukturbegriff geht damit über das hinaus, was etwa Lipietz als soziale Strukturen definiert, nämlich die „Konzeptualisierung der beobachteten Kompatibilität individueller Entwicklungslinien“ (Lipietz 1998, 110). Unabhängig vom Strukturbegriff kann symbolische Gewalt als Funktionsprinzip von Gesellschaften verstanden werden. Mit ihrer Hilfe werden Konflikte, die mit ungleichen Chancen von Gruppen zu tun haben, latent gehalten, in feldinterne Konkurrenzkämpfe überführt oder auf der individuellen Ebene aus- 50 1 Begegnungen von inneren und äußeren Strukturen getragen, womit dann verständlicherweise eine Psychologisierung sowohl auf der Seite der Analyse als auch und vor allem auf der Seite der Konfliktbearbeitung einher geht.

Die Tatsache, dass es immer auch passende Habitus gibt und weniger passende bereits im Vor-Feld (bezogen auf Schule und Universität im wahrsten Sinne des Wortes) – sei es über direkte Auslese, sei es über Selbstselektion – eliminiert werden, ist ein Grund, weshalb Felder selten komplett in eine Krise geraten. Dadurch, dass andere Auswahlkriterien als der Habitus hier als formal demokratische und damit oft ungleichheitsverschleiernde Instanz vorgeschoben werden – Schulabschlüsse und -noten sind hier zu nennen –, gelingt immer auch Habitus, die weniger den vom Milieu geforderten Codes entsprechen als andere, gleichsam als ‚Offenheitsbeweise’ des Systems der Zugang zum akademischen Feld.

Es kann aber auch gefragt werden, welche Implikationen diese Bewusstmachung für intervenierende Dritte haben kann. Bourdieu misst der Lebenswelt der Akteure eine große Bedeutung bei, sieht aber gleichzeitig deren Abhängigkeit von Strukturen und Betroffenheit von Machtverhältnissen. Daraus folgt, dass es alles andere als gleich verteilt ist, eine eigene Meinung zu haben und diese auch kundzutun. Das bedeutet, dass denjenigen, die keine Stimme haben, einfach eine Meinung in den Mund gelegt wird, wenn sie in unreflektierter Weise von Forschenden befragt werden.

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